MIT DEM PIANO AUF TOUR

Hi, ich bin Joe. Ich habe vor acht Jahren einen lang gehegten Traum in die Tat umgesetzt: Ich wollte frei sein, die Welt bereisen und Musik machen. Das Instrument meiner Wahl ist das Klavier, was die Sache durchaus ein wenig erschwert. Nach langem Zweifeln und Hin-und Her-Überlegen habe ich mich schlussendlich aber nicht von meinem Traum abhalten lassen und meinem Klavier kurzerhand Räder verpasst. Dazu einen zum Wohnmobil umgebauten Ford Transit gekauft, die Küche ausgebaut, damit mein Klavier darin Platz findet. Auf Ebay habe ich passende Rampen gekauft und war stolz wie Oskar, als ich mein Klavier zum ersten Mal in meinen Bus schob – und das mit ein wenig Kraft sogar ganz alleine klappte. Es konnte losgehen! 

 Ich habe sehr früh als Kind angefangen Klavier zu spielen und ich bin schon immer gerne gereist. Meinen Zivildienst absolvierte ich in Südfrankreich, verbrachte ein Jahr auf Weltreise und ein weiteres in Südamerika. Viele der schönsten Erfahrungen meines Lebens machte ich während dieser Zeiten im Ausland. Allerdings hat mir unterwegs auch oft das Klavierspielen gefehlt. Überall ein Klavier aufzuspüren war gar nicht so leicht. Ich musste ja erst einmal Locations mit einem Klavier finden und dann auch noch abklären, ob dort Interesse besteht, mich auf irgendeine Art und Weise für’s Spielen zu entlohnen. Manchmal gab es auf Reisen nicht unbedingt eine finanzielle Gegenleistung, aber ich konnte dann im Gegenzug dort wohnen und essen. In Kunming in China z.B. habe ich täglich eine Stunde gespielt und dafür ein Zimmer und dreimal täglich Essen bekommen. Abends habe ich dann zusätzlich in einem italienischen Restaurant gespielt und auch dort gab’s zusätzliche Verpflegung – also 4x Essen am Tag ohne weitere Ausgaben. 

Die Weltreise konnte ich nicht komplett mit der Musik finanzieren, aber zumindest hat sie einen kleinen Teil zur Finanzierung beigetragen. Wegen der oft anstrengenden Suche nach fremden Klavieren dachte ich oft „wie schade, dass man ein Klavier nicht mitnehmen kann“.   Irgendwann kam mir dann der entscheidende Gedanke: „Warum eigentlich nicht?“. Ich fing an, Pläne zu schmieden, wie man es vielleicht möglich machen könnte. Ein Klavier mit Rollen musste her und ein Bulli. Seit acht Jahren ist mein Traum nun Realität. Ich lebe in meinem Bus, das Klavier ist immer dabei und mittlerweile gebe ich Naturkonzerte mit mehreren hundert Zuschauern an den schönsten Orten unserer Welt – auf über 2.000 Metern Höhe in den Bergen, an einsamen Stränden, thailändischen Tempeln, verwunschenen Wäldern, unter dem aufgehenden Vollmond bei Meeresrauschen oder auf einer schwimmenden Plattform mitten in einem bayrischen See.  

Lange wusste ich nicht, was ich aus meinem Leben machen sollte. Ich hatte viele verschiedene Interessen und habe nach meinem Zivildienst in Frankreich zunächst „etwas Solides“ – eine Ausbildung bei einem großen deutschen Automobilhersteller gemacht, in der ich allerdings nicht glücklich war. (Mittlerweile halte ich das noch nicht mal mehr für solide.) Schon nach kurzer Zeit hatte ich das Gefühl, dass das nicht das Richtige für mich ist. Beendet habe ich es aber trotzdem, weil „man das ja so macht“. Nach der Ausbildung bin ich auf Weltreise gegangen, das war wie ein Befreiungsschlag – endlich mal ein Jahr lang nur Dinge tun, die mich erfüllten. Wie aufregend! Ich habe viele Dinge zum ersten Mal gemacht: White-Water-Rafting, Skydiving, Vulkanwanderung, Reisen per Anhalter, bei einer Familie auf den Fiji-Inseln gelebt, auf einer Farm in Neuseeland gearbeitet, mit dem Wasserflugzeug nach Vancouver City geflogen, bin wilden Bären in freier Wildbahn begegnet und vieles mehr. Vor allem habe ich gelernt, dass die Welt viel besser ist, als uns durch die Medien suggeriert wird. Ich habe unglaublich viele wundervolle Menschen kennengelernt und eine Gastfreundlichkeit erfahren, die mich umgehauen hat. Menschen, die ich gerade erst kennengelernt hatte, nahmen mich auf wie einen alten Freund oder überließen mir den Schlüssel zu ihrem Haus als wäre es das Normalste auf der Welt. Innerhalb von Minuten wurden Fremde zu Freunden. Ein wunderschönes Gefühl. 

Zurück in Deutschland wollte ich unbedingt studieren, eine neue Sprache lernen, noch mehr Länder kennenlernen und hab mich daraufhin für den Studiengang „Internationales Tourismusmanagement“ entschieden.  Während des Studiums verbrachte ich ein Jahr in Südamerika, bereiste Costa Rica, Nicaragua, Kolumbien, Ecuador, Peru und Bolivien.  Außerdem baute ich nebenher meine Selbständigkeit als Musiker auf. Ich spielte Klavier in Restaurants, 5-Sterne Hotels, auf Kreuzfahrtschiffen, bei Galas und auf privaten Feiern.  Mein Wunsch, das scheinbar Unmögliche möglich zu machen und mein Traveling Piano zu verwirklichen und damit umher zu reisen, brannte jedoch so sehr in mir, dass ich kurz vor dem Studienabschluss dann begann, zusammen mit meinem Vater mein Traveling Piano zu bauen.  

 Meine engen Freunde und meine Familie waren ebenso begeistert von der Idee wie ich. Natürlich begegnen einem gerade bei unkonventionellen Ideen auch kritische Meinungen. Oft im Leben ist es so, dass man zweifelt oder sich fragt „Soll ich das tun, oder lieber doch nicht?“… Ich habe auf meinen Reisen und in vielen Situationen im Leben, die Erfahrung gemacht, dass Zweifel und Ängste großartige Erfahrungen verhindern können und es so gut wie immer besser ist, sich für das „Ja“ zu entscheiden.  Es einfach zu machen, und nicht einfach nur die ganze Zeit darüber nachzudenken. Ich wusste zu Beginn des Projektes überhaupt nicht, ob ich jemals von der Musik würde leben können. Hätte ich es nicht einfach gewagt, würde es „My Traveling Piano“ heute nicht geben. Dabei bin ich auch sehr dankbar, dass ich viele liebe Menschen um mich hatte und habe, die mich stets unterstützen. Mein Ford Transit ist sowohl Wohnungsersatz und Rückzugsort als auch Transportmittel für das Klavier. Mit Hilfe von Rampen bekomme ich das schwere Instrument in den Transporter, wo es fest verzurrt hinter den Vordersitzen steht. So habe ich immer alles zum Leben und Arbeiten dabei, was ich brauche: Das Klavier, mein eigenes Bett, einen kleinen Kühlschrank, Strom, eine Standheizung für den Winter, viel Stauraum, mein CD-Lager, eine Weltkarte an der Wand zur Inspiration… Auf diese Weise kann ich spontan und unabhängig sein und leben. Einen Wecker benutze ich dabei zum Glück schon lange nicht mehr.  Für mich ist es wunderschön und immer etwas Besonderes, wenn die Menschen über meine Musik bedeutsame Momente erleben. Über Musik lässt sich soviel ausdrücken und empfinden. Ich bekomme oft die Rückmeldung, dass Menschen mithilfe meiner Musik zu einer tiefen inneren Ruhe kommen, die sie selbst oft gar nicht mehr kannten. Mir ist es ein Anliegen, dass Menschen sich mit sich selbst und der Natur verbinden, sich erinnern, wer sie sind und wo sie herkommen. Manchmal vergessen wir, dass wir natürliche biologische Wesen sind und keine Maschinen und dass wir uns in der Natur oft einfach lebendiger fühlen als wenn wir in einem sterilen Raum nur von Wänden umgeben sind. Manche Zuhörer fühlen sich durch meine Geschichte inspiriert und fangen an, ihren eigenen Traum zu verwirklichen, wieder andere sind zu Tränen gerührt. Auch gibt es Kinder, die vor staunen vergessen, ihr Eis zu essen oder einfach zur Musik tanzen (das machen übrigens auch Erwachsene). 

 Neben meiner Liebe zum Vanlife habe ich jedoch mittlerweile auch schon Wurzeln in Thailand geschlagen. Das Land stand eigentlich zuerst gar nicht auf meiner Wunschliste, aber nachdem ich auf meiner Weltreise auf dem Landweg von Singapur bis nach China gereist bin und dabei auch das „Land des Lächelns“ durchquert habe, steht es seitdem ganz oben auf der Liste meiner Lieblingsorte auf dieser Welt. Mittlerweile ist es der Ort, an dem ich über das Jahr hinweg die meiste Zeit an einem Ort verbringe. Kurz zusammengefasst kann man sagen: Im Sommer: Vanlife in Europa, Im Winter: Thailand.   2014 habe ich auch meine ersten eigenen Stücke in Thailand komponiert. Ich kaufte extra für Thailand ein zweites Klavier, brachte es auf eine fast einsame Insel und blieb zwei Monate um nach meinem Debüt-Album „My Traveling Piano“ mit vielen bekannten Coversongs und Filmmusik mein zweites Album fertig zu stellen – dieses Mal nur mit eigenen Stücken. Jedes Stück wurde von der Insel und der wundervollen Natur inspiriert.  Das war ein weiterer Traum, den ich mir erfüllte – passend zu meinen Reisen mit dem Klavier heißt das Album „Follow The Sun“. Ich habe mein ganzes Herzblut in dieses Album gesteckt und es ist natürlich ein besonders schönes Gefühl, wenn die eigene Musik bei den Menschen schöne Momente auslöst und sie positiv beeinflusst und inspiriert. Besonders die Insel Koh Phangan mit ihrer großen Yoga-Community und ihrer riesigen Auswahl an veganen Restaurants ist für mich zu einem neuen zu Hause geworden und bietet mir gleichzeitig eine wundervolle Kulisse für meine Naturkonzerte. So habe ich hier bereits am Strand, auf einem Felsen im Meer, auf dem Berg mit Sicht auf den Sonnenuntergang und vor einem buddhistischen Tempel Konzerte gegeben.  Ich genieße das viele Umherreisen in der einen Hälfte des Jahres ebenso sehr wie die andere Jahreshälfte, in der ich die meiste Zeit an einem Ort verweile. Ich spüre hier eine besondere Verbindung zur Natur, bin viel draußen, genieße jeden Abend den Sonnenuntergang, mache Musik mit Freunden, schwimme viel und laufe die meiste Zeit barfuß. Es gibt hier eigentlich alles was das (mein) Herz begehrt. Vielleicht kaufe ich mir hier bald noch einen Geländewagen, packe mein Klavier ein, ein Zelt aufs Dach und mache dann Südostasien von hier aus unsicher. 🙂  

 Inzwischen habe ich mit „The Private Concert“ mein drittes Album veröffentlicht und ein Buch über meine Geschichte geschrieben, das im Mai 2021 veröffentlicht wird. Meine Alben bekommt man zum Download oder auch als CD auf meiner Homepage (www.mytravelingpiano.com) und auch mein Buch kann man dort vorbestellen. 🙂  Was ich gelernt habe:Einfach machen! ☺ Egal, ob es kleine Dinge im Alltag sind oder ein längerer Selbstfindungstrip: Im Zweifel auf jeden Fall für „Ja“ entscheiden und die Reise als eine besondere Zeit für sich selbst nutzen. Mich hat oft ein Zitat von Mark Twain inspiriert: „20 years from now you will be more disappointed by the things you didn’t do than by the ones you did do.“  Für mich war es eine wichtige Erfahrung, zu vertrauen und immer offen zu sein für alles, was kommt. Es können so viele tolle Sachen passieren, wenn man sich für „Ja“ entscheidet. „Soll ich die Gruppe von Locals in einem anderen Land ansprechen?“, Soll ich mich zu einer Fremden an den Tisch setzen?“ usw.  Bei „nein“ passiert nichts, bei „ja“ kann es dein Leben verändern.  Ich wünsche euch ganz viel Freude mit meiner Musik und hoffe, wir sehen uns bald live auf einem meiner Konzerte.  Euer Joe Homepage: www.mytravelingpiano.comFacebook: www.facebook.com/mytravelingpianoInstagram: www.instagram.com/mytravelingpiano
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